05.10.2017 | Erstmals Schwerpunkt im Westen: Schlüssel zu mehr Lebensvielfalt

Besitzübergabe von weiteren 23 ehemaligen Militärflächen des Bundes an das DBU Naturerbe

Übergabe Borkenberge
Mit einer symbolischen Schlüsselübergabe werden Prof. Dr. Werner Wahmhoff, stellvertretender DBU-Generalsekretär und Prokurist beim DBU Naturerbe, von Gunther Brinkmann, Leiter des Geschäftsbereichs bei der BImA, weitere 23 Flächen des Nationalen Naturerbes übergeben.
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Besitzübergabe Borkenberge
An der DBU-Naturerbefläche Borkenberge auf den Gemarkungen Haltern am See und Lüdinghausen weisen neue Infotafeln auf Geschichte, Lebensräume sowie Tier- und Pflanzenarten hin. V.l.: Bodo Klimpel, Haltern a.S.; Dr. Heinrich Bottermann, Umweltministerium NRW; Prof. Dr. Werner Wahmhoff, DBU; Richard Borgmann, Lüdinghausen; Gunther Brinkmann, BImA.
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Deutschlandweit übernimmt das DBU Naturerbe die Verantwortung für 70 Flächen des Nationalen Naturerbes mit rund 69.000 Hektar.
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Infotafel Borkenberge
Zu jeder einzelnen Fläche werden Leitbilder, Steckbriefe, Infotafeln und Naturerbeentwicklungspläne erstellt. Viele der Infotafeln, wie hier die für die DBU-Naturerbefläche Borkenberge, wurden in den vergangenen Wochen auf den Flächen der 3. Tranche aufgestellt.
Umrisskarte Borkenberge
Die DBU-Naturerbefläche Borkenberge umfasst rund 1570 Hektar.
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Haltern am See. Ein Meilenstein für den deutschen Naturschutz nimmt zunehmend Gestalt an: Mit einer symbolischen Schlüsselübergabe im Schloss Sythen werden der gemeinnützigen Tochtergesellschaft der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU), dem DBU Naturerbe, von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) weitere 23 Flächen des Nationalen Naturerbes mit rund 9.000 Hektar übergeben. Insgesamt ist das DBU Naturerbe dann verantwortlich für den Erhalt und die Entwicklung von 70 vor allem ehemaligen Militärflächen mit rund 69.000 Hektar. „Mit der DBU als größtem Flächenempfänger im Nationalen Naturerbe werden diese Inseln der biologischen Vielfalt durch kompetentes Management weiterhin erhalten und dauerhaft bewahrt. Eine große Herausforderung, die auf langjährige Erfahrung trifft“, betonte der Staatssekretär des Ministeriums für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen Dr. Heinrich Bottermann. Als ehemaliger DBU-Generalsekretär war er maßgeblich an den Verhandlungen zur Übertragung der 3. Tranche beteiligt.

Vielfältige Aufgaben auf 70 Flächen mit verlässlichen Partnern vor Ort

„Wir übernehmen mit den Naturerbeflächen einen Schatz, der seinesgleichen sucht“, stellte Prof. Dr. Werner Wahmhoff, stellvertretender Generalsekretär der DBU, dar. „Durch den geringen Nährstoffeintrag und aufgrund der speziellen Militärnutzungen haben sich oft kleinräumige, vielfältige Lebensräume etablieren können, die eine besondere Bedeutung für den Naturschutz haben.“ Um den Schutz zu gewährleisten, erstelle das Team des DBU Naturerbes zu jeder einzelnen Fläche Leitbilder, Steckbriefe, Infotafeln und Naturerbeentwicklungspläne. „Die Aufgaben sind vielfältig und reichen von Sondierungen über Kartierungen und Planungen bis hin zum Management – bei insgesamt 70 Flächen im ganzen Bundesgebiet ist das nur mit verlässlichen Partnern vor Ort möglich“, sagte Wahmhoff. Er schätze die langjährige Kooperation mit der BImA, deren Försterinnen und Förster aus dem Geschäftsbereich Bundesforst vor Ort das DBU Naturerbe betreuen.

Bundesforst flächendeckend Ansprechpartner für DBU Naturerbe

Auch Gunther Brinkmann, Leiter des Bundesforstes, hob diese erfolgreiche Kooperation hervor: „Wir bieten wohl als einzige Dienstleisterin einen bundesweit einheitlichen Standard in der Betreuung, Pflege und Entwicklung von Naturerbeflächen.“ Die BImA mit ihrem Geschäftsbereich Bundesforst sei nicht nur in Nordrhein-Westfalen als Dienstleister im Naturerbe gefragt. Bundesweit betreue sie nunmehr 69.000 Hektar Fläche im Auftrag des DBU Naturerbes und rund 20.000 weitere im Auftrag der Länder und Verbände sowie deren Stiftungen. Hinzu kämen weitere 32.000 Hektar Naturerbeflächen, die als Bundeslösung im Eigentum des Bundes verblieben sind und durch den Bundesforst nach den Vorgaben des Nationalen Naturerbes betreut werden. In dicht besiedelten Bundesländern wie Nordrhein-Westfalen habe auch die Bevölkerung ein spezielles Interesse an den Flächen des Nationalen Naturerbes als Naherholungsgebiete. Hier sei es besonders wichtig, mit Ansprechpartnern vor Ort in den Dialog zu treten. Sie können Interssierte zum Naturerleben einerseits und über die Sicherheitsaspekte andererseits informieren. So öffne das Naturerbe Türen zu Landschaften, die oft jahrzehntelang für die Öffentlichkeit gesperrt waren – sofern ein Betreten der Fläche nicht weiterhin ausgeschlossen ist.

Mittelfristig Betretungsmöglichkeiten für DBU-Naturerbefläche Borkenberge

Die DBU-Naturerbefläche Borkenberge zum Beispiel, die auf den Gemarkungen der Städte Haltern am See und Lüdinghausen liegt, kann aus Sicherheitsgründen noch nicht zugänglich gemacht werden. „Wir haben die Zusicherung, dass mittelfristig dort, wo es naturschutzfachlich möglich ist und es die militärischen Altlasten sicherheitstechnisch zulassen, Betretungsmöglichkeiten angeboten werden“, so Lüdinghausens Bürgermeister Richard Borgmann. Auch Halterns Repräsentant Bodo Klimpel machte deutlich: „Ich bin mir sicher, dass es uns gemeinsam gelingen wird, die Naturschutzziele der DBU und die regionalen Interessen in vertrauensvoller Zusammenarbeit in Einklang zu bringen.“ Informationstafeln, die maßgeblich in Zusammenarbeit mit dem Naturschutzzentrum Coesfeld sowie den Biologischen Stationen Recklinghausen und Zwillbrock entwickelt wurden und über Historie, landschaftliche Besonderheiten sowie Tier- und Pflanzenwelt Auskunft geben, wurden an begehbaren Wegen der Naturerbefläche Borkenberge bereits aufgestellt.

Übertragungspaket mit Naturschutzschwerpunkt im Westen Deutschlands

Über die vergangenen zehn Jahre hinweg ist es dem Bund gelungen, rund 156.000 Hektar dauerhaft für den Naturschutz zu sichern. Nachdem in einem ersten und zweiten Übertragungspaket vor allem Flächen im Osten Deutschlands in den Besitz der DBU übergingen, konnte nun mit der Übertragung der sogenannten 3. Tranche ein Naturschutzschwerpunkt im Westen Deutschlands realisiert werden. Darunter befinden sich zehn Flächen in Nordrhein-Westfalen, fünf in Niedersachsen, zwei in Rheinland-Pfalz, zwei in Bayern, drei Flächen in Thüringen und eine in Mecklenburg-Vorpommern (siehe Liste). Auf den DBU-Naturerbeflächen sollen offene Lebensräume mit seltenen Tier- und Pflanzenarten durch Pflege bewahrt, Wälder möglichst ohne menschlichen Eingriff ihrer natürlichen Entwicklung überlassen, artenarme Forste zu naturnahen Wäldern umgewandelt und Feuchtgebiete sowie Gewässer ökologisch aufgewertet oder erhalten werden. Damit leistet die DBU-Tochter einen wichtigen Beitrag, um die Ziele der „Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt“ zu erreichen. Darin formuliert der Bund beispielsweise das Ziel, fünf Prozent der deutschen Waldfläche bis 2020 einer natürlichen Entwicklung zu überlassen.

Auf drei Flächen wird noch militärisch geübt

Mit ihren Unterschriften besiegelten am 28.10.2016 im Schloss Sythen Bundesumweltministerin Dr. Barbara Hendricks, der parlamentarische Staatssekretär im Bundesfinanzministerium, Jens Spahn, Cajus Caesar als damaliger Vorsitzender des DBU-Naturerbe-Beirates sowie Dr. Heinrich Bottermann als damaliger DBU-Generalsekretär die Übertragung der 23 Flächen. Im aktuellen Rahmenvertrag der 3. Tranche sind drei Flächen benannt, die derzeit noch militärisch genutzt werden. Es handelt sich um die Übungsplätze Schwanewede (Niedersachsen/Bremen), Dudenhofen (Rheinland-Pfalz) und Paderborn-Lieth (Nordrhein-Westfalen). Nach Aufgabe der militärischen Nutzung werden diese naturschutzfachlich bedeutsamen Flächen umgehend an die DBU-Tochter übergeben werden, wie es im Haushaltsausschuss des Bundestages festgelegt wurde.

Bitte beachten Sie die lokalen Pressemitteilungen rund um die Besitzübernahme und die Infotafeln auf einzelnen DBU-Naturerbeflächen: