07.04.2017 | „Immer ganzheitliche Sicht der Beziehung von Mensch und Umwelt im Blick gehabt“

DBU trauert um Umweltpreisträger Prof. Dr. Berndt Heydemann

Prof. Dr. Berndt Heydemann
Die DBU trauert um Ihren Umweltpreisträger Professor Dr. Dr. h. c. Berndt Heydemann
Download

Osnabrück. "Für Berndt Heydemann stand das Zusammenführen verschiedener Wissenschafts-, Technik-, Natur- und Gesellschaftsbereiche zu einer ganzheitlichen Sicht der Beziehung von Mensch und Umwelt immer im Mittelpunkt. Ob Naturschutz, Ökologie, Bionik oder Umweltbildung - für ihn waren diese Themen nie nur fachlich interessant, sondern immer von großem gesellschaftlichem Rang." – Mit diesen Worten würdigte heute Dr. Heinrich Bottermann, Generalsekretär der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU), das Schaffen von Prof. Dr. Berndt Heydemann, der jetzt im Alter von 87 Jahren nach kurzer Krankheit verstorben ist. Der gebürtige Kieler, erste Umweltminister von Schleswig-Holstein und emeritierte Professor hatte 2005 den Deutschen Umweltpreis der DBU erhalten, den mit 500.000 Euro höchst dotierten Umweltpreises Europas.

Bionik und Ökotechnologie als Wissenschaft etabliert

Heydemanns Arbeiten über die Salzwiesen des Wattenmeeres seien wesentlich für die Gründung von Nationalparks gewesen, so wie viele seiner Studien wichtige Anstöße für Naturschutzgebiete in Deutschland und international gegeben hätten, betonte Bottermann. Als Wissenschaftler habe er geholfen, Bionik (Kunstwort, das sich aus "Biologie" und "Technik" zusammensetzt und damit zum Ausdruck bringt, wie für technische Anwendungen Prinzipien verwendet werden können, die aus der Biologie abgeleitet wurden.) und Ökotechnologie an der Universität Kiel zu etablieren, zu Ökosystemen des Bodens geforscht, den Bereich "Marine Ökologie und Ökotechnologie" aufgebaut und sich für das "Forschungs-Technologie-Zentrum Westküste (FTZ)" in Büsum eingesetzt. Als Präsident des Deutschen Bundes für Vogelschutz (DBV), dem heutigen Naturschutzbund NABU, habe er die Weiterentwicklung des Vereins zu einem Umweltverband mit breitem Aufgabenspektrum angestoßen.

Originell und faszinierend: Wissenschaft zum Anfassen

Auch nach seiner Emeritierung habe Heydemann sein Engagement unermüdlich fortgesetzt. Mit dem "Zukunftszentrum Mensch - Natur - Technik - Wissenschaft" (ZMTW) in Nieklitz (Mecklenburg-Vorpommern) hatte er ein Umweltinformations- und Bildungszentrum auf rund 18 Hektar aufgebaut: ein Themenpark mit Wald, Wiesen und Äckern, der darstellte, wie die Natur technische, sensorische, kommunikative und ästhetische Herausforderungen meistert. Nach dem Prinzip "von der Natur lernen" zeigten die Modelle die Potenziale der Bionik für Technik und Wirtschaft auf, auch wenn das Zentrum nach Jahren des erfolgreichen Wirkens am Ende die enorme Kostenlast nicht stemmen konnte und eingestellt werden musste.

„Immer ganzheitliche Sicht der Beziehung von Mensch und Umwelt im Blick gehabt“
96.6 kB