02.03.2017 | Nach dem Röntgen Ruhr schützen

Mülheimer Modellprojekt verringert Röntgenkontrastmittel im Wasser – DBU gibt 299.000 Euro | In der Projektdatenbank - AZ 33333

Auftakt Röntgenkontrastmittel
Wollen den Eintrag von Arzneimitteln in Oberflächen- und Grundwasser drastisch verringern (v. l.): Dr. Wolf Merkel, Geschäftsführer IWW Zentrum Wasser, Dr. Franz-Josef Schulte, Geschäftsführer RWW, Margarete Wietelmann, Bürgermeisterin der Stadt Mülheim, Dr. Heinrich Bottermann, DBU-Generalsekretär; Dr. Gerhard Odenkirchen, Umweltministerium NRW.
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Mülheim an der Ruhr. „Langlebige Medikamente wie Röntgenkontrastmittel kommen über die Abwässer in die Umwelt, wo sie nicht hingehören. Wir müssen den Eintrag von Arzneimitteln in Oberflächen- und Grundwasser drastisch verringern“, so Dr. Heinrich Bottermann, Generalsekretär der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU). Gemeinsam mit weiteren Experten stellte er gestern Abend bei einer Auftaktveranstaltung das Projekt „MERK´MAL“ vor, ein Modellprojekt, das Röntgenkontrastmittel im Wasserkreislauf verringern soll. Im Fokus stehen dabei Patienten, die bei radiologischen Untersuchungen Röntgenkontrastmittel einnehmen. Sie sollen in einer Testphase von Juli bis Oktober nach der Untersuchung Urinbeutel verwenden, in denen ein spezielles Mittel den Urin verfestigt. Die Beutel können anschließend im normalen Hausmüll entsorgt werden – die Kontrastmittel gelangen dann nicht mehr ins Abwasser. Die DBU fördert das Projekt fachlich und finanziell mit knapp 299.000 Euro.

In hohem Maße Röntgenkontrastmittel nachweisbar

Bottermann: „Bis zu 500 Tonnen Röntgenkontrastmittel werden pro Jahr bei radiologischen Untersuchungen in Deutschland eingesetzt. In mehr als 70 Ländern der Welt wurden im Abwasser, Oberflächen- und Grundwasser über 500 verschiedene Arzneimittel und deren Abbauprodukte gefunden.“ Die Einträge stammten sowohl aus der Human- als auch aus der Tiermedizin. Unter den Medikamentenrückständen seien neben Antibiotika auch Hormone, Schmerzmittel, Antidepressiva und blutdrucksenkende Mittel, aber auch in hohem Maße Röntgenkontrastmittel nachzuweisen. Bottermann: „Wir müssen vorsorgend tätig werden, um die hohe Qualität unserer Gewässer und des Trinkwassers zu erhalten.“

Röntgenkontrastmittel ohne schädliche Wirkung, dennoch unerwünscht

Nach derzeitigem Stand der Wissenschaft haben Röntgenkontrastmittel keine schädliche Wirkung auf Mensch oder Umwelt. Sie sind weder toxisch noch konnte ausreichend nachgewiesen werden, dass sie sich in Lebewesen dauerhaft anreichern. Allerdings werden Röntgenkontrastmittel durch Wasser gut transportiert. Sie sind ein Beispiel für menschengemachte Chemikalien, die im Wasser auch aufgrund ihrer Langlebigkeit nahezu überall gefunden werden. In Spuren sogar im Trinkwasser, worüber sie auch in Nahrungsmittel gelangen können. Besonders hier sind sie unerwünscht und stören die Wasserversorger, die Verbraucher und die Öffentlichkeit. „Wir gehen einen neuen Weg, in dem wir Röntgenkontrastmittel verursachungsgerecht direkt an der Quelle zurückhalten, damit sie erst gar nicht in den Wasserkreislauf gelangen“, so Dr. Franz-Josef Schulte, Geschäftsführer des beteiligten Wasserversorgers RWW in Mülheim. An diesem Punkt setze unter der Federführung des IWW Zentrum Wasser und unter der Schirmherrschaft des Mülheimer Oberbürgermeisters Ulrich Scholten das Projekt „MERK’MAL“ an. Als Partner nehmen das Evangelische Krankenhaus und das katholische St. Marien-Hospital, das Medizinische Versorgungszentrum Mülheim (MVZ)   sowie die Radiologische Gemeinschaftspraxis in Mülheim teil. Dort erhalten die Patienten bei der Untersuchung alle erforderlichen Informationen und bekommen auch die Urinbeutel ausgehändigt. Die Ärzte und das Pflegepersonal könnten so sehr genau bilanzieren, wie viel Röntgenkontrastmittel verwendet wurde.

Unterstützung der Patienten ausschlaggebend

„Wir hoffen auf die Unterstützung der Patientinnen und Patienten. Nur mit ihnen können wir das Ziel erreichen und das Röntgenkontrastmittel aus den Gewässern fernhalten“, so der DBU-Generalsekretär. Das Vorhaben könne nicht nur für die Ruhr, sondern für Einzugsgebiete ganzer Flusssysteme in Deutschland und darüber hinaus Modellcharakter haben. Das werde aber nur gelingen, wenn es auf große Resonanz und Akzeptanz in der Bevölkerung stoße. Langfristig könne das Vorhaben dazu beitragen, auch andere umweltrelevante und unerwünschte Stoffe im Wasserkreislauf zu verringern.

Ansprechpartner für Fragen zum Projekt (AZ 33333): Verena Thöne, Telefon: 020840303343.