06.02.2012 | Jugend zurück zur Natur? „Entdecker-Westen“ machen’s möglich

Ergebnisse des DBU-Projekts für Schüler – Kids wollen eigenständig ihre Umgebung entdecken | In der Projektdatenbank - AZ 27203

Entdecker Westen Mädchen © VDN
Die biologische Artenvielfalt mitten in der Natur untersuchen: Die Ausrüstung dazu steckt in den Taschen der "Entdecker-Westen" des VDN. Die DBU förderte die Entwicklung mit 115.000 Euro.
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Osnabrück/Bonn. Der Entfremdung der Jugend von der Natur kann man entgegenwirken. Eine Untersuchung der Justus-Liebig-Universität Gießen und des Verbandes Deutscher Naturparke (VDN, Bonn) unter 175 Grundschülern zeigt, dass sich Kinder sogar mehr Aktionen in der Natur während des Unterrichts wünschen. Dieses Ergebnis wurde heute bei der VDN-Jahrestagung der Naturpark-Geschäftsführer und -Leiter in Osnabrück vorgestellt. Grundlage waren die Resultate eines mit 115.000 Euro geförderten Modellprojektes der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU). In ihm wird Kindern und Jugendlichen in deutschen Naturparken mithilfe vom VDN entwickelter „Entdecker-Westen“ Naturerleben hautnah vermittelt. Mit der besonderen Ausrüstung entdecken die Kids selbstständig die Natur, ohne dass der Lehrer im Mittelpunkt steht. „Der Artenschutz und seine Vermittlung an die Jugend sind zentrales Anliegen unserer Stiftung“, betonte DBU-Generalsekretär Dr.-Ing. E. h. Fritz Brickwedde anlässlich der Tagung.

Befragte Jungen und Mädchen würden sich mit Ausrüstung auch gern allein in Natur beschäftigen

Zwei Jahre hatten Experten den Einsatz von 476 Westen – unter anderem mit Becherlupe, Bestimmungshilfen und Kompass ausgestattet – in fünf Naturparken in Deutschland beobachtet, ihren Nutzen untersucht und die Jungen und Mädchen nach ihrer Meinung gefragt. „Fast alle Schüler hätten gerne auch so eine Weste und würden sich mit ihr und der Ausrüstung auch gerne alleine in der Natur beschäftigen“, berichtete die Leiterin des Projekts, Annika Horstick vom VDN. Das Entdecker-Westen-Projekt samt einem Leitfaden für den Aufbau einer Entdecker-Westen-Exkursion sollen dauerhaft als fester Bestandteil der Umweltbildungsarbeit des VDN und der Naturparke etabliert werden. Schon jetzt sind die Westen beim Verband erhältlich, so Horstick.

Entdecker Westen © VDN
Die Natur auf eigene Faust unter die Lupe nehmen: Becherlupe, Verpflegung und Schreibblock passen in jede Tasche der Weste.
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Präsentation Entdecker-Westen
Präsentierten in Osnabrück die wissenschaftlichen Ergebnisse zu den "Entdecker-Westen" (v.l.): VDN-Präsident Dr. Michael Arndt, der Vorsitzende des Geo- und Naturparks TERRA.vita, Landrat Dr. Michael Lübbersmann, DBU-Generalsekretär Dr.-Ing. E. h. Fritz Brickwedde, VDN-Projektleiterin Annika Horstick und Prof. Hans-Peter Ziemek vom Institut für Biologiedidaktik der Justus-Liebig-Universität Gießen.
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Mit griffbereitem Material das eigene Thema im eigenen Tempo entdecken

Jugendliche erlebten ihre natürliche Umwelt zunehmend nur noch als Kulisse für ihre Freizeit. „Im Vergleich zu Angeboten aus der Medienwelt empfinden sie Natur als langweilig“, so Horstick. Dass Kinder und Jugendliche ihre Umwelt auf eigene Faust erkunden wollen, komme heute seltener vor. Um neue Impulse zu geben, seien die „Entdecker-Westen“ entwickelt worden. Das Besondere an den Westen sei, dass sich in ihren Taschen bereits die vollständige Ausrüstung befinde. „Bestens ausgestattet durch die Weste können die Kids eigenständig auf Entdeckungsreise gehen“, so Horstick. Weil jeder Teilnehmer einen eigenen Satz Exkursionsmaterialien bei sich habe, könne jeder sein eigenes Tempo und Thema finden.

Statt Lehrer stellen Kinder ihre Ausrüstung zusammen

In einigen Umweltbildungseinrichtungen gebe es zwar ausleihbare Materialien in Rucksäcken oder Kisten für Untersuchungen draußen vor Ort. Teilweise sei aber kein selbstständiges Lernen möglich, da nicht immer genügend Materialien für alle vorhanden seien. Das „Entdecker-Westen“-Konzept fördere die Eigenverantwortlichkeit der Kinder und Jugendlichen. „Bei unseren Exkursionen ist es nicht der Lehrer, der die Materialien verteilt. Die Kinder stellen ihre eigene Ausrüstung zusammen und können eigenständig damit in der Natur forschen.“

"Überwiegende Zahl der Kinder wünscht sich mehr Aktionen in der Natur zur Schulzeit"

Die Übergabe von Verantwortung an die Jungen und Mädchen sei im DBU-Projekt zwar in der Erprobung gewesen, aber von allen gut aufgenommen worden. „Die Ausrüstung und das Konzept machen quasi die Westen zum Lehrer“, so Horstick. Die Begeisterung der befragten Schüler sei sogar so weit gegangen, dass die überwiegende Zahl der Kinder sich mehr Aktionen in der Natur während der Schulzeit wünschten.

DBU förderte über 500 Naturschutzprojekte mit mehr als 107 Millionen Euro

Die Themen „Naturschutz und Umweltbildung“ sowie „Bildung für Nachhaltige Entwicklung in Großschutzgebieten“ seien für die DBU kein Neuland, betonte Brickwedde in seinem Grußwort an die Teilnehmer der Tagung im Zentrum für Umweltkommunikation der DBU. Bereits 2001 sei der Stiftungszweck um die „Bewahrung und Wiederherstellung des Nationalen Naturerbes“ erweitert worden. Mehr als 500 Projekte mit über 107 Millionen Euro seien seitdem bis heute im Naturschutz gefördert worden.

Naturparke und Nationalparks unterstützt

Hinzu kämen zahlreiche Umweltbildungsprojekte, die die DBU in verschiedenen Naturparken und Nationalparks unterstützt habe. Dazu gehörten zum Beispiel der Baumkronenpfad im Nationalpark Hainich, das Informationszentrum im Nationalpark Kellerwald-Edersee, die Errichtung eines Naturpark-Informationszentrums im Museum am Schölerberg in Osnabrück für den Naturpark TERRA.vita, die Errichtung eines Europäischen Fledermauszentrums im Naturpark Bayerischer Wald oder die Buchreihe „Natur erleben“ des VDN.

Ansprechpartnerin bei Fragen zum Projekt (AZ 27203): Annika Horstick, Telefon 0228/9212862.