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09.02.2011 |
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„Grünes Gedächtnis DDR“: Zeitzeugen lassen Umweltgeschichte aufleben

Dokumentation von mündlich überlieferten Berichten als Basis für Schulunterricht – DBU fördert Projekt
Buchenwald auf Rügen © Norbert Rosing
Auf dem Gebiet der ehemaligen DDR befinden sich eine Vielzahl wertvoller Naturflächen - so zum Beispiel Prora auf Rügen. Die Fläche ist eine von insgesamt 33 Liegenschaften, die die DBU-Naturerbe GmbH vom Bund übernimmt und deren wertvolles Erbe sie für die Zukunft sichert.
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Neubrandenburg. Steht Geschichte auf dem Stundenplan, entlockt das so manch einem Schüler nur herzhaftes Gähnen. Dass mit Zeitzeugen mehr Spannung und Aufmerksamkeit in den Unterricht kommen kann, davon ist die Hochschule (HS) Neubrandenburg überzeugt. In einem neuen Projekt will sie Naturschutz und Geschichte am Beispiel der ehemaligen DDR im wahrsten Sinne des Wortes „aufleben“ lassen: Zeitzeugen sollen befragt und daraus schulische Bildungsangebote entwickelt werden. Kern des Vorhabens ist der Aufbau einer Internetseite unter dem Titel „Grünes Gedächtnis DDR“. Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) fördert das Vorhaben mit rund 110.000 Euro. „So werden die Schüler für ein häufig als ‚trocken’ empfundenes, aber sehr wichtiges Thema auf persönliche und emotionale Weise sensibilisiert“, betont DBU-Generalsekretär Dr.-Ing. E. h. Fritz Brickwedde. Gleichzeitig werde die Quellenlage zur Geschichte des Naturschutzes in der ehemaligen DDR ergänzt.

Möglichkeiten und Einschränkungen des Naturschutzes erforschen

Geplant sei, so Projektkoordinator Prof. Dr. Hermann Behrens von der HS Neubrandenburg, rund 25 Zeitzeugen zu befragen. Sie sollen zu den verschiedenen Phasen der Naturschutzgeschichte der ehemaligen DDR in räumlicher und institutioneller Hinsicht Auskunft geben. Das könnten Personen sein wie Dr. Karl-Heinz Großer, der unter anderem für die Schriftenreihe „Naturschutzarbeit in Berlin und Brandenburg“ tätig war, Dr. Lebrecht Jeschke, ehemaliger Direktor des Landesnationalparkamts Mecklenburg-Vorpommern, und Prof. Dr. Hans Dieter Knapp, Direktor der Naturschutzakademie Insel Vilm. Interessant sei beispielsweise zu erfahren, betont Behrens, wie die Zeitzeugen sowohl die Möglichkeiten als auch Einschränkungen des Naturschutzes empfunden und bewältigt haben.

Ruthes Knabenkraut © Norbert Rosing
Peenemünde auf der Insel Usedom ist Teil der DBU-Naturerbeflächen in Mecklenburg-Vorpommern und bietet Lebensraum für eine Vielzahl seltener Tiere und Pflanzen. Zum Beispiel ist die Orchidee "Ruthes Knabenkraut" hier zu finden.
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Homepage "Grünes Gedächtnis DDR" stellt Arbeitsmaterialien bereit

Die Ergebnisse sollen in einem „Zeitzeugenbuch“ sowie einer Videodokumentation festgehalten und für Schüler und andere interessierte Personen zugänglich gemacht werden. Auf einer eigens unter dem Titel „Grünes Gedächtnis DDR“ eingerichteten Homepage sei außerdem geplant, neben grundlegenden Informationen entsprechende Arbeitshilfen für Lehrer und Schüler anzubieten. Dabei arbeite die HS Neubrandenburg mit Schul- und Umweltbildungsexperten zusammen, erklärt Behrens: „Unser Ziel ist, die Zusammenhänge zwischen Naturschutz, Geschichte und Politik den Schülern auf eine spannende Art und Weise transparent zu machen.“ Gleichzeitig lernten sie die Methode der mündlichen Geschichtsüberlieferung kennen und sollen motiviert werden, eigene Zeitzeugen zu befragen und ihre Ergebnisse auf der Projekthomepage zu präsentieren. In Schulen aus Mecklenburg-Vorpommern sollen die Arbeitsmaterialien als erstes zum Einsatz kommen.

Bestehende Dokumente um Ebene der persönlichen Erlebnisse erweitern

Für Brickwedde stellt das innovative Projekt eine „gelungene Verknüpfung von Forschungs- und Bildungsarbeit“ dar. Die HS Neubrandenburg – mit einem ihrer Forschungsschwerpunkte in „Umweltgeschichte/Naturschutzgeschichte“ – betreibt bereits ein Studienarchiv mit einer Spezialsammlung zu dem Thema. Mit den Aussagen der Zeitzeugen sollen die Dokumente um die Ebene der persönlichen Erlebnisse erweitert, diese Erfahrungen aber gleichzeitig auch kritisch in den gesellschaftspolitischen Zusammenhang eingeordnet werden. Zum Abschluss des Projekts ist ein „Zeitzeugensymposium“ geplant, bei dem die Ergebnisse präsentiert werden und anderen Einrichtungen und Institutionen als Anregungen dienen sollen.

Ansprechpartner für Fragen zum Projekt (AZ 29055):
Prof. Dr. Hermann Behrens, HS Neubrandenburg, Telefon: 0395/5693224, Telefax: 0395/5693399
Dr. Jens Hoffmann, HS Neubrandenburg, Telefon: 0395/5693255, Telefax: 0395/5693399

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