Deutscher Umweltpreis 2010 - Michail Gorbatschow | Stichwort: Herausragendes Engagement für Menschlichkeit und Umweltschutz

Ehrenpreis des Deutschen Umweltpreises 2010: Einzelwürdigung Michail Gorbatschow

Michail Gorbatschow
Gorbatschows Einsatz für das Ende des "Kalten Krieges" kam auch der Umwelt zugute: Nach Abzug der sowjetischen Truppen konnte sich auf den ehemaligen Militärflächen eine vielfältige Natur- und Tierwelt entwickeln.
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Moskau. „Gorbatschows Verdienste um die deutsche Einheit und das Ende des Kalten Krieges sind legendär: Er war der Wegbereiter für eine friedlichere Welt. Doch Gorbatschow hat sich auch stets für den Umweltschutz eingesetzt. Ob seine Schirmherrschaft für das ‚Grüne Band’, sein Vorsitz bei der weltweit tätigen Umweltschutzorganisation ‚Green Cross International’ oder die Nachhaltigkeitsprojekte seiner Gorbatschow-Stiftung: Er hat für den internationalen Umweltschutz viel geleistet. Nach seinem Ausscheiden aus der aktiven Politik hat er sich stets für eine globale Ethik der Verantwortung, für eine Einheit von Natur und Mensch eingesetzt.“ – Mit diesen Worten würdigte heute Dr.-Ing. E. h. Fritz Brickwedde, Generalsekretär der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU), die Verleihung des Ehrenpreises des Deutschen Umweltpreises 2010 der DBU an den ehemaligen Präsidenten der Sowjetunion, Michail Gorbatschow. Die mit 10.000 Euro dotierte Auszeichnung wird ihm Bundespräsident Christian Wulff am 31. Oktober in Bremen überreichen.

Umweltschutz als vorsorgenden Friedensschutz verstehen

Aus seiner tiefen Überzeugung und Einsicht, dass ein friedvolles Zusammenleben der Menschen nur über gegenseitigen Respekt und intensiven Dialog möglich sei, habe sich Gorbatschow vielfältig für den Umweltschutz – den er auch als vorsorgenden Friedensschutz begreife – engagiert, erläuterte Brickwedde die Entscheidung.

Beispielhafter Einsatz für einzigartige Naturareale

Nach der deutschen Wiedervereinigung hätten sich die sowjetischen Streitkräfte aus der ehemaligen DDR und ein Großteil der westlichen Truppen aus der alten Bundesrepublik zurückgezogen, so Brickwedde. Riesige, ehemals militärisch genutzte Flächen – die heute als „Grünes Band“ bezeichneten Naturflächen an der ehemaligen innerdeutschen Grenze – seien freigeworden: „Wo einst Zäune und Minenstreifen Menschen voneinander trennten, konnten sich einzigartige und besonders wertvolle Naturschutzgebiete entwickeln“, erläuterte der DBU-Generalsekretär im 20. Jahr der deutschen Wiedervereinigung. Hätte es Gorbatschow nicht gegeben, wären die rund 340.000 sowjetischen Soldaten 1994 von ihren 47 Flug- und 116 Übungsplätzen in Deutschland nicht abgezogen worden und hätten diese ehemals als Militärflächen genutzten Naturareale nicht freigegeben. Brickwedde: „Dann gäbe es heute nicht die einzigartigen Naturflächen, um deren weiteren Erhalt sich auch die DBU-‚Tochter’ DBU Naturerbe GmbH kümmert.“ Von den deutschlandweit 33 Flächen mit ihren rund 45.000 Hektar, die die DBU-„Tochter“ übernehme, lägen nämlich 23 mit über 40.000 Hektar in Ostdeutschland.

Michail Gorbatschow
Mit seiner eigenen Stiftung unterstützt Gorbatschow seit 1992 nachhaltige Projekte in der ganzen Welt.
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Naturschutz Symbol der Vereinigung zwischen Ost und West

„Natürlich war die innerdeutsche Grenze eine Grenze des Unrechts, der Trauer, des Schmerzes. Aber Gorbatschow hat nach dem Fall der Mauer die Chancen für den Naturschutz in Deutschland erkannt. Er hat im geeinten Deutschland die Kräfte unterstützt, die sich gegen eine Zerstückelung dieses großartigen Biotops und für seinen konsequenten Schutz eingesetzt haben. Dass Europa und Deutschland heute mit dem „Grünen Band“ den weltweit längsten Naturschutz- und Biotopverbund haben, ist auch dem politischen Wirken Michail Gorbatschows zu verdanken“, unterstrich Brickwedde. Vor allem mit der Übernahme der Schirmherrschaft für das „Grüne Band“ habe Michail Gorbatschow die große Bedeutung des Naturschutzes als Symbol der Vereinigung zwischen Ost und West unterstrichen, so Brickwedde.

Große Artenvielfalt auf ehemaligen Grenzflächen

Allein das innerdeutsche „Grüne Band“ umfasse 194 Quadratkilometer Fläche auf einer Länge von rund 1.400 Kilometern. Hier habe man über 80 verschiedene Biotoptypen festgestellt, von denen in etwa die Hälfte als gefährdet gelte. In diesen Biotopen fänden circa 1.044 Arten ihren Lebensraum, die gefährdet oder gar vom Aussterben bedroht seien. In den vielfältigen Gebieten fänden vom Laubfrosch und dem Braunkehlchen über den Raubwürger und den Wachtelkönig bis hin zum Schwarzstorch und Fischotter seltene Tiere ihre Rückzugsräume.

Breites Engagement auch in anderen Organisationen

Brickwedde fügte an, dass Gorbatschow sich auch als Gründer und Vorsitzender des „Green Cross International“ weltweit unter anderem für Ressourcenschonung, Energieeffizienz und Umweltbildung einsetze. Bereits anlässlich der Konferenz der Vereinten Nationen (United Nations, UN) von Rio 1992 habe Gorbatschow ein so genanntes „Rotes Kreuz für die Umwelt“ gefordert, das bei Umweltkatastrophen weltweit rasch und wirkungsvoll helfen könnte. Dieser Wunsch sei wahr geworden. Inzwischen habe die Organisation „Green Cross International“ 31 nationale Ableger, darunter auch „Green Cross Deutschland“, führte Brickwedde aus. Ebenfalls lobte der DBU-Generalsekretär die nach dem Preisträger benannte Gorbatschow-Stiftung. Sie fördere seit 1992 nachhaltige Projekte in der ganzen Welt. Umweltschutz sei von der Stiftung gelungen mit Völkerverständigung, Armutsbekämpfung und humanitärer Hilfe verknüpft worden.