30.09.2008 | „Deutsches Biotech-Unternehmen Schrittmacher für Nachhaltigkeit“

Deutscher Umweltpreis 2008 der DBU: Einzelwürdigung Dr. Holger Zinke, BRAIN AG

Zinke visionär
Ein mittelständischer Unternehmer, der den Blick visionär in die Zukunft richtet: DBU-Umweltpreisträger Dr. Holger Zinke.
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Osnabrück/Zwingenberg. „Dr. Holger Zinke als Unternehmensgründer und Vorstandsvorsitzender der BRAIN AG ist einer der zentralen Pioniere der deutschen Biotech-Branche. Als einer der ersten erkannte er die zunehmende Bedeutung, den Werkzeugkasten der Natur für industrielle Zwecke nutzbar zu machen. Zinkes Engagement ist es zu verdanken, dass ein deutsches mittelständisches Unternehmen als Schrittmacher für die nachhaltige Entwicklung einer gesamten Industriebranche fungiert.“ – Mit diesen Worten würdigte heute Dr.-Ing. E. h. Fritz Brickwedde, Generalsekretär der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU), die Verleihung des Deutschen Umweltpreises 2008 der DBU an den 45-jährigen hessischen Unternehmer Dr. Holger Zinke. Er erhält am 26. Oktober in Rostock die Hälfte des mit insgesamt 500.000 Euro höchstdotierten Umweltpreises Europas aus den Händen von Bundespräsident Horst Köhler.

Zinke Portrait
Träger des Deutschen Umweltpreises 2008 der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU): Dr. Holger Zinke.
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Zinke hat "als Protagonist ein Arbeitsgebiet von hoher sozialer, ökonomischer und ökologischer Bedeutung besetzt"

Die BRAIN (Biotechnology Research And Information Network) AG aus Zwingenberg erforscht und verwendet Stoffe aus der Natur, wie etwa aus Mikroorganismen, um durch ihren Einsatz chemische Prozesse durch umweltfreundliche Verfahren zu ersetzen und zu verbessern. „Denn die industrielle oder ‚weisse’ Biotechnologie, hilft Energie und Materialien einzusparen, schont endliche Ressourcen, entlastet damit die Umwelt und erhöht die wirtschaftliche Wertschöpfung. Dieses Potenzial hat Zinke erkannt und genutzt“, erläutert Brickwedde. Er habe als Protagonist ein Arbeitsgebiet von hoher sozialer, ökonomischer und ökologischer Bedeutung besetzt. Damit helfe er, Nachhaltigkeit von Produkten und Herstellungsprozessen in der Industrie auf natürlicher und biologischer Basis zu etablieren und die Unabhängigkeit von endlichen fossilen Rohstoffen zu erhöhen.

"Der vollständige Werkzeugkasten der Natur steht für industrielle Zwecke erstmals zur Verfügung"

Noch vor wenigen Jahren sei dieses Potenzial, das in Millionen unterschiedlicher Arten winziger Lebewesen steckt, nur wenig beachtet worden. Denn nur ein Prozent der Organismen lasse sich im Labor vermehren, und bis heute sind nur etwa 100 dieser Mikroorganismen für die Produktion in der Industrie nutzbar. Seit in den 90er Jahren Holger Zinke sein Unternehmen gründete, habe sich einiges geändert: Mit gentechnischen Methoden und viel Entwicklungsarbeit sei es nun möglich geworden, die Erbinformationen von nicht kultivierbaren Mikroorganismen und damit den Bauplan für natürliche Stoffe zu „entschlüsseln“. So konnten ehemals unzugängliche Mikroorganismen und deren Syntheseleistung erstmals für die Produktion nutzbar gemacht werden. „Der Ansatz, den Zinke und sein Team verfolgen, ist innovativ, weil nunmehr erstmals der vollständige Werkzeugkasten der Natur für industrielle Zwecke zur Verfügung steht“, so Brickwedde.

Zinke Schreibtisch gespiegelt
Zwei Seiten einer ausgezeichneten Medaille: Als DBU-Umweltpreisträger steht Dr. Holger Zinke für innovative Forschung und unternehmerischen Mut.
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Biotech-Schmiede in Zwingenberg entwickelt Enzyme als Schlüssel für neue Produkte und Märkte der Zukunft

Spezielle Enzyme, die zur Beschleunigung biochemischer Reaktionen in Organismen als so genannte Biokatalysatoren eingesetzt werden, habe die Biotech-Schmiede in Zwingenberg entwickelt und darauf mit den industriellen Kooperationspartnern Patente angemeldet. In die Praxis umgesetzt, steigerten sie die Produktion und entlasteten die Umwelt oder seien der Schlüssel für neue Produkte und Märkte der Zukunft. Enzyme spielen eine tragende Rolle im Stoffwechsel aller lebenden Organismen und steuern den überwiegenden Teil biochemischer Reaktionen von der Verdauung bis zum Kopieren der Erbinformation.

Revolution in der Waschmittelindustrie: Energieeinsatz und Kohlendioxidbelastung erheblich verringert

Ein Beispiel: Zinke habe mit seinem Team in Kooperation mit der Firma Henkel ein spezielles Enzym für die Waschmittelindustrie entwickelt, durch das bei gleicher Leistung die Wäsche nicht mehr bei 60, sondern nur noch bei 40 Grad gewaschen werden müsse. Durch den dadurch verringerten Energieeinsatz könnten allein in Deutschland jährlich 1,3 Millionen Tonnen des klimaschädigenden Kohlendioxids eingespart werden. Auch die Waschmittelmenge pro Waschgang könne verringert werden. Die Einsparungen summierten sich auf 18.000 Tonnen pro Jahr allein in Deutschland – und machten sich nicht nur im Geldbeutel der Verbraucher bemerkbar, sondern auch in einer weiteren Entlastung des Kohlendioxidausstoßes um jährlich 54.000 Tonnen.

Wichtige Schlüsselindustrien wie die Chemie stehen vor der Biologisierung

Zinke habe dazu beigetragen, dass wichtige Schlüsselindustrien – wie die Chemie – nun vor einer Biologisierung stünden. In der Textilindustrie ersetzten Enzyme umweltschädliche Prozesschemikalien. In der Papierindustrie könnten Spezialpapiere so beschichtet werden, dass sie ein wasserbasiertes und damit umweltschonenderes Drucken ermöglichten. Und in der Automobilindustrie könnten Kunst- und Verbundstoffe durch neuartige Dämm- und Strukturfaserstoffe ersetzt werden, die keine gesundheits- und umweltschädlichen Lösungsmittel mehr ausdunsteten.

Zinke Treppenhaus
Alle Wege in der Chemie führen zu einer stetig wachsenden Biologisierung. DBU-Umweltpreisträger Dr. Holger Zinke ist Motor dieser Bewegung.
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"Branchenübergreifende Schlüsseltechnologie, die zur Verwirklichung nachhaltiger Entwicklung beiträgt"

Zinke und seinem Unternehmen sei es zu verdanken, dass die Biotech-Branche aus dem Schattendasein habe heraustreten können. Er habe sein Unternehmen 1993 auf der Basis eines traditionellen, mittelständischen Geschäftsmodells gegründet. Zu dieser Zeit sei die industrielle Biotechnologie in Deutschland noch ein Fremdwort und an Millionenbeträge für Biotech-Firmen nicht zu denken gewesen. Seither habe er das Unternehmen mit Augenmaß entwickelt und mehr als 50 zum Teil internationale Kooperationen erfolgreich abgeschlossen. Unter den industriellen Kooperationspartnern finden sich Spezialchemieunternehmen wie Evonik-Degussa, BASF, Celanese, Ciba, Clariant, aber auch Konsumgüterunternehmen wie Henkel und Südzucker oder der Riechstoff- und Aromenhersteller Symrise. „Die vielfältigen Anwendungsgebiete und das Methodenspektrum dieser Technologie machen sie zu einer branchenübergreifenden Schlüsseltechnologie, die zur Verwirklichung nachhaltiger Entwicklung beiträgt“, so Brickwedde.

"Ideenreichtum, Engagement, Kreativität und Durchsetzungsfähigkeit in seiner Person vereint"

Engagiert sei Zinke an zahlreichen Gründungen von Biotechnologiegesellschaften und Interessensvertretungen der Branche beteiligt gewesen. Er sei 1997 Mitgründer der Vereinigung deutscher Biotechnologie-Unternehmen. Maßgeblich sei er 2003 an der Gründung der Interessenvertretung der deutschen Biotech-Unternehmen BioDeutschland e.V. und 2006 dem Industrieverbund mikrobielle Genomforschung beteiligt gewesen. Darüber hinaus sei er beratend und gutachterlich in Ausschüssen und Programmen rund um die industrielle oder „weiße“ Biotechnologie tätig. „Dr. Zinke steht für einen Typus des modernen, innovativen Unternehmers in einem zukunftsweisenden Wirtschaftszweig, der in vorbildlicher Weise Ideenreichtum, Engagement, Kreativität und Durchsetzungsfähigkeit in seiner Person vereint“, so Brickwedde.

„Wir sind das biologische Gewissen der Industrie“

Video der BRAIN AG: