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06.06.2007 |
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"Woche der Umwelt" überzeugt als Leistungsschau

Nachrichtentelegramm vom Mittwoch, 6. Juni

+++ Köhler: „Ich bin gelernter Traktorfahrer" - Bundespräsident besucht Aussteller bei „Woche der Umwelt" +++
Berlin. „Ich bin gelernter Traktorfahrer", klärte Bundespräsident Horst Köhler das staunende Publikum augenzwinkernd auf, nachdem er sich heute bei der „Woche der Umwelt" spontan auf einen Traktor geschwungen hatte - und ihn startete. Kurz darauf schränkte er ein: „... wenn auch mit Einweisung." Der Stand der Fachhochschule Südwestfalen/ Agrarwirtschaft Soest, die den so genannten Bodenschutztraktor ausstellt, war eine Station des heutigen Rundgangs von Köhler über das Ausstellungsgelände. Beim Deutschen Naturschutzring informierte er sich über das ehrenamtliche Engagement im Naturschutz. Köhler erhielt dort von einem Nationalparkleiter eine Einladung zur Wanderung - und bekannte: „Ich bin ein Bewegungsmensch." Wenn er allerdings öffentlich wandere, dann mit tausenden Leuten. Auch für die jüngste Interviewpartnerin, die zehnjährige Graslöwen-Reporterin Marlon Weber, nahm sich der Bundespräsident Zeit: „Wenn du erwachsen bist, werden wir mit dem Umweltschutz schon viel weiter sein." Und gab ihr mit auf den Weg: „Ihr müsst alle mitmachen."

+++ Sind weitere Kohlekraftwerke zumutbar? Vahrenholt plädiert für Kernkraft +++
„Warum können für die nächsten acht bis zehn Jahre die Laufzeiten der Kernkraftwerke nicht verlängert werden, anstatt neue Kohlekraftwerke zu bauen?“, fragte Prof. Dr.-Ing. E. h. Fritz Vahrenholt, Vorstandsvorsitzender der Repower-Systems AG, bei der „Woche der Umwelt“ während des Hauptforums „Energieversorgung zwischen Klimaschutz und Versorgungssicherheit“. Die Zeit des billigen Öls sei vorbei, so Vahrenholt. Er prophezeite, dass spätestens zwischen 2015 und 2020 die Ölförderung der -nachfrage nicht mehr nachkommen könne. Die Folge: Preise von 100 US-Dollar pro Barrel Öl. „Erneuerbare Energien stehen vor dem Siegeszug“, ist sich Vahrenholt sicher. Allerdings seien sie erst in etwa zehn Jahren wettbewerbsfähig. Für die Übergangszeit befürwortet er die weitere Nutzung von Kernenergie. Dagegen plädierte Rainer Baake, Bundesgeschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe, für den Bau von Gaskraftwerken: Sie stießen immerhin ein Drittel weniger klimaschädliches Kohlendioxid aus als Kohlekraftwerke. Außerdem müsse eine verstärkte Debatte um den Emissionshandel geführt werden. Erst das werde Unternehmen dazu bewegen, nicht in Kohlekraftwerke zu investieren. Dr. Ottmar Edenhofer vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung griff dieses Argument auf: „Für mich ist der europäische Emissionshandel das entscheidende Argument für globalen Klimaschutz.“ Allerdings müsse er auf weitere Sektoren – zum Beispiel den Verkehr – und auf weitere Regionen – zum Beispiel nach Amerika – ausgeweitet werden. Außerdem sollten die Zertifikate versteigert anstatt kostenlos zugeteilt werden: „Nur, wenn die Kosten-Preis-Relation stimmt, können wir über Technik und Wettbewerbsfähigkeit reden.

+++ "Besser, als zu verdursten": der Gebäudeenergieausweis +++
Berlin. Angesichts der Gesetzeslage und den sich daraus ergebenden Unklarheiten handele es sich bei dem ab 2008 geplanten Gebäudeenergieausweis aus seiner Sicht eher um ein „halbleeres als um ein halbvolles Glas" - aber das sei immerhin „noch besser, als zu verdursten", so Klaus Müller, Vorstand der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Im Fachforum „Der Gebäudeenergieausweis: Gut informiert - besser modernisiert" während der „Woche der Umwelt" stellten Müller und Felicitas Kraus, Bereichsleiterin bei der Deutschen Energie-Agentur (dena), den Energieausweis für Gebäude vor. Er wird ab 2008 in Deutschland eingeführt und soll Eigentümern, Mietern und potenziellen Käufern Transparenz über Energiestandard und -kosten einer Immobilie bieten. Kraus unterstrich, dass es mit dem Pass möglich sei zu sehen, „was man mit dem bloßen Auge nicht sieht." Allerdings bemängelte sie, dass der Gesetzgeber lediglich Mindeststandards vorgebe - und dem Verbraucher überlasse, wie er damit umgehen solle. Außerdem hätten Feldversuche der dena gezeigt, dass angesichts fehlender Standardisierungen Engagement, Fachkunde und Qualität der Handwerker vor Ort entscheidend für die Aussagekraft des Ausweises seien. Müller kritisierte, dass es bei der vom Gesetzgeber geplanten Form Mängel des Passes in den Bereichen Übersichtlichkeit, Verständlichkeit und Vergleichbarkeit gebe. So sei es zum Beispiel bereits für einen mittelmäßig informierten Verbraucher schwierig zu sagen, worin der Unterschied liege zwischen einem „Verbrauchsausweis" und einem „Bedarfsausweis". Angesichts der gegebenen Unklarheiten hoffe er darauf, dass massive öffentliche Diskussionen Wirkung zeigten: Die Politik habe im ersten Schritt hin zum Gebäudeenergieausweis viele Chancen vertan - aber er hoffe auf Nachbesserung.

+++ Nachwachsender Rohstoff zukünftig die „eierlegende Wollmilchsau"? Econsense diskutiert im Fachforum +++
Berlin. Pflanzenstärke aus Kartoffeln, Öl aus Raps, Rübenzucker für Biokunststoffe - das Forum für Nachhaltige Entwicklung der Deutschen Wirtschaft (Econsense) stellte während der „Woche der Umwelt" nachwachsende Rohstoffe in den Mittelpunkt ihres Fachforums. Ob die Stoffe „eierlegenden Wollmilchsäue" der Zukunft seien, fragte der Vorstandsvorsitzende von Econsense, Reinhold Kopp. Für die Automobilindustrie seien nachwachsende Rohstoffe als Energielieferanten eine „echte Alternative", meinte Dr. Gerhard Prätorius von Volkswagen. Sie seien kompatibel zur herkömmlichen Motortechnik und zur Infrastruktur. Allerdings befinde sich die Autoindustrie in einem „Suchprozess". Vor allem Rohstoffe der so genannten zweiten Generation wie Getreidereste hätten großes Potenzial. „Bevor aber die weltweite Nachfrage noch weiter ansteigt, müssen wir internationale Regeln schaffen", betonte Christian Hochfeld vom Öko-Institut. Welche Flächen international genutzt werden dürften oder inwiefern die Lebensmittelproduktion Vorrang habe - das müsse dringend geklärt werden. Außerdem sei es wichtig, auf die Ökobilanz der einzelnen Rohstoffe zu achten. „Palmöl verliert etwa im Vergleich zu fossilen Kraftstoffen", so Hochfeld. Bei der Verarbeitung des Öls werde mehr Kohlendioxid freigesetzt als etwa beim Erdöl.

+++ Energiesparmeister 2007 ausgezeichnet +++
Berlin. Bei der „Woche der Umwelt" sind die „Energiesparmeister 2007" gekürt worden: zehn Familien haben die Auszeichnung gewonnen, die das Umweltministerium im Rahmen der Kampagne „Klima sucht Schutz" zusammen mit der Fernsehsendung „ZDF.umwelt" ausgelobt hatte. Ihr Verdienst: Sie nutzten natürliche Baustoffe und regenerative Energiequellen etwa für Heizungsanlagen. Haushaltsgeräte mit höchster Energieeffizienz-Klasse stehen in den „Energiesparmeister-Häusern". Einige Preisträger tanken Pflanzenöl oder fahren lange Strecken mit dem Fahrrad statt mit dem Auto. Der Preis ist ein grünes Türschild mit der Hausnummer der Gewinner und 2.500 Euro, die von Michael Müller, parlamentarischer Staatssekretär im Bundesumweltministerium, überreicht wurden. Die einzelnen Gewinner sind hier aufgeführt.

+++ „Clever fahren, Sprit sparen" - Modellprojekt der Neuen Osnabrücker Zeitung bei der Woche der Umwelt gestartet +++
Berlin. Clever fahren, Sprit sparen und dabei als Autofahrer den Ausstoß von Kohlendioxid um bis zu 20 Prozent verringern. Das ist das Ziel einer Bürgerbewegung unter der Schirmherrschaft der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU), die die „Neue Osnabrücker Zeitung" (NOZ) heute symbolisch bei der „Woche der Umwelt" startete. „Auf einen echten Startschuss müssen wir wegen der Sicherheitsvorkehrungen im Park Bellevue leider verzichten", scherzte Berthold Hamelmann von der NOZ. Bis zum Jahresende werden 5.000 Autofahrer in Stadt und Landkreis Osnabrück lernen, wie durch ökonomische Fahrweise der Spritverbrauch verringert und damit Geldbeutel und Umwelt entlastet werden. Trainer der Landesverkehrswacht Niedersachsen sind im Einsatz, um mit ihren Tipps die Teilnehmer, die sich ab Juli anmelden können, individuell zu Spritspar-Füchsen auszubilden. DBU-Generalsekretär und Schirmherr der Aktion, Dr.-Ing. E. h. Fritz Brickwedde, äußerte den Wunsch, dass sich andere Regionen und Zeitungen das Projekt als Vorbild nehmen. „Außerdem werden die 5.000 Teilnehmer ihr Wissen über spritsparendes Fahren hoffentlich im Freundeskreis aktiv verbreiten." Ermöglicht wird das Spritspar-Projekt durch finanzielles Engagement der Ford-Werke sowieso durch Fördermittel der DBU. Weitere Kooperationspartner sind Stadt und Landkreis Osnabrück.

+++ Bundespräsident empfing B.A.U.M.-Preisträger +++
Berlin. Bundespräsident Horst Köhler hat heute bei der Woche der Umwelt in Berlin die Preisträger des B.A.U.M.-Umweltpreises empfangen. Die undotierte Auszeichnung wird vom Bundesdeutschen Arbeitskreis für Umweltbewusstes Management (B.A.U.M.), einer überparteilichen Umweltinitiative der Wirtschaft, verliehen. Die Preisträger zeichnen sich aus durch „herausragende persönliche Leistungen und individuelles Engagement im betrieblichen Umweltschutz", so B.A.U.M. Mitarbeiter eines Mitgliedsunternehmens, Wissenschaftler, Medienvertreter und Vertreter von Institutionen werden jedes Jahr mit der Auszeichnung geehrt. Wichtige Kriterien seien neben Nachhaltigkeit auch die Übertragbarkeit der eingeführten Maßnamen auf andere Unternehmen. Köhler betonte in Anspielung auf den Titel des Preises, dass es nicht so wichtig sei, dass ein Baum immer weiter in die Höhe wachse. „Viel wichtiger ist es, dass er fest verwurzelt ist, einen kräftigen Stamm und flexible Äste hat - und vor allem, dass er sich fortpflanzen kann." Dies gelte übertragen auch für die Preisträger und ihre Unternehmen. Die Initiative B.A.U.M. dürfe daher auf der Leistungsschau „Woche der Umwelt" nicht fehlen. B.A.U.M-Vorstand Prof. Maximilian Gege überreichte Köhler einen Ginkgo-Baum und bedankte sich bei ihm für die Einladung: „Alleine das ist schon eine Auszeichnung."

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