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03.10.2002 |
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"Tatkräftiger und effektiver Kämpfer für den globalen Umweltschutz"

Deutscher Umweltpreis 2002: Prof. Dr. Klaus Töpfer - Einzelwürdigung
Prof. Dr. Klaus Töpfer
Prof. Dr. Klaus Töpfer
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Prof. Dr. Klaus Töpfer UN
Prof. Dr. Klaus Töpfer: Träger des Deutschen Umweltpreises 2002 der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU).
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Osnabrück. "Er ist ein tatkräftiger, effektiver Kämpfer für die Umwelt. Als Ideengeber einer globalen Umweltpolitik gehören für ihn der weltweite Umweltschutz und die Bekämpfung der Armut untrennbar zusammen. Damit ist er nicht nur der beste Anwalt der Entwicklungsländer, sondern verkörpert das, was globale Nachhaltigkeit bedeutet." - Mit diesen Worten würdigte heute Fritz Brickwedde, Generalsekretär der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU), die Lebensleistung des 64jährigen Prof. Dr. Klaus Töpfer als einem der Träger des Deutschen Umweltpreises 2002. Der ehemalige Umweltminister in Rheinland-Pfalz, Bundesumwelt- und Bundesbauminister ist Leiter des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (United Nations Environment Programme, UNEP) in Nairobi/Kenia.

Mittler zwischen Interessengegensätzen

Töpfers Leistungen als ambitionierter Vertreter eines vorsorgenden Umweltschutzes beruhten darauf, dass er stets als ein Mann des Ausgleichs und mit dem Blick für das Machbare agiert habe, betonte Brickwedde. Als Mittler zwischen Interessengegensätzen habe der Wissenschaftler, Politiker und Manager außergewöhnliche Moderationsqualitäten gezeigt und faire Interessenausgleiche zwischen unterschiedlichen Positionen herbeigeführt.

Globalisierung frühzeitig im Blick

Von Beginn an habe er in seinem Handeln zwischen Wissenschaft und Politik, Management und Technik, wirtschaftlichem Erfolg und Schonung der Umwelt versucht, nachhaltig gangbare und langfristig erfolgreiche Entwicklungspfade zu finden und frühzeitig die Globalisierung von Problemen erkannt. Bereits in den 70er Jahren habe Töpfer im Rahmen von Entwicklungsprojekten in verschiedenen Regionen der Welt kennenlernen können, mit welchen Schwierigkeiten in den "unterentwickelten Ländern" die Umsetzung von Umweltschutzzielen verbunden sei.

"Rio" wichtige Bewährungsprobe

Eine wichtige Bewährungsprobe für sein internationales Wirken habe die UN-Konferenz 1992 in Rio de Janeiro dargestellt, zu deren Erfolg Töpfer als Bundesumweltminister und Vertreter der Bundesregierung wesentlich beigetragen habe. Diese Konferenz, auf der weltweit das Nachhaltigkeitsprinzip verankert wurde, habe einen Meilenstein für eine neue Zusammenarbeit zwischen Staaten unterschiedlichen Entwicklungsstandes markiert. Nach der UN-Konferenz sei Töpfer als Vorsitzender der UN-Kommission für nachhaltige Entwicklung mit der konkreten Umsetzung der Ziele von Rio in internationale Vereinbarungen maßgeblich befasst gewesen und habe auch hier als "ehrlicher Makler" im globalen Interessenausgleich überzeugt.

Ranghöchster Deutscher bei den UN

Aufgrund seines internationalen Rufs als dynamischer Kämpfer für eine globale nachhaltige Entwicklungsstrategie und seine anerkannten Moderationsqualitäten bei einem fairen Interessensausgleich zwischen Nord und Süd sei Töpfer von UN-Generalsekretär Kofi Annan zum UNEP-Chef berufen worden und seitdem der ranghöchste Deutsche in einer UN-Organisation. Töpfers Wirken an der Spitze des Umweltprogramms der Vereinten Nationen ziele darauf ab, der UNEP neue internationale Anerkennung in ihrer Berater- und Vermittlerrolle zu verschaffen und die Bedeutung des Umweltschutzes weltweit voranzutreiben. Vehement kämpfe er für die Interessen der Entwicklungsländer, die besonders empfindlich gegenüber Klimaveränderungen seien, sie aber nur zu einem kleinen Teil verursacht hätten. Produziere doch eine Milliarde Menschen in den Industrieländern mehr globale Emissionen als das die fünf Milliarden Menschen im Rest der Welt täten.

Auch auf nationaler Ebene deutlich Spuren hinterlassen

Dabei habe Töpfer auch auf nationaler Ebene deutlich Spuren hinterlassen. Die Umweltschutzpolitik der Bundesrepublik Deutschland sei von ihm als Bundesumweltminister entscheidend mitgeprägt worden. Zu der großen Zahl von Umweltthemen, die unzweifelhaft mit dem Namen Klaus Töpfer verbunden seien, zähle beispielsweise die Verankerung und Durchsetzung des Konzeptes der Kreislaufwirtschaft und des integrierten Umweltschutzes.

Ökonomisch begründetes Sachzwanghandeln

Die siebenjährige Amtszeit als Bundesumweltminister sei geprägt gewesen von einem ökonomisch begründeten Sachzwanghandeln, mit dem er sich immer wieder kritisch und letztlich erfolgreich auseinandergesetzt habe. Mit der Sorge um den Industriestandort Deutschland und dessen Wettbewerbsfähigkeit sei in weiten Teilen der Öffentlichkeit dem Wettbewerb und der Wirtschaft ein grundsätzlicher Vorrang vor Sozial- und Umweltverträglichkeit eingeräumt worden. Töpfer habe aber als Umweltpolitiker deutlich gemacht, dass ein weiteres wirtschaftliches Wachstum nur in Verbindung mit einem technologischen Wandel und bei zugleich ressourcenschonender Ausrichtung möglich sei.

Ökonomie und Ökologie kein Widerspruch

Kennzeichnend für die Umweltpolitik Töpfers sei sein unermüdliches Bemühen gewesen, nicht gegen, sondern gemeinsam mit der Wirtschaft Verbesserungen für die Umwelt zu erreichen. Brickwedde: "Die Ausweitung des umweltpolitischen Instrumentariums über das Ordnungsrecht hinaus wurde zu einem seiner Markenzeichen. Das große Ziel, das hinter diesem Bemühen stand, war die ökologische Weiterentwicklung der sozialen Marktwirtschaft. Dass Ökonomie und Ökologie kein Widerspruch sein müssen, prägte das Wirken des gelernten Ökonomen Klaus Töpfer von Beginn an bis heute."

Besonderes Verdienst bei der Wiedervereinigung

Ein besonderes Verdienst habe sich Töpfer bei der Wiedervereinigung erworben: die Schaffung einer Umweltunion im vereinten Deutschland. Mit dem Namen Töpfer verbinde sich beispielsweise die Abschaltung des Kernkraftwerkes russischer Bauart in Greifswald, die Schließung der unwirtschaftlichen "Dreckschleudern" der gesundheitsschädigenden Carbo-Chemie im ehemaligen Chemiedreieck der DDR, aber ebenso auch die Rettung großer Naturschutzgebiete in Ostdeutschland.

Leidenschaftlich für die Belange des Umweltschutzes eingesetzt

In der Person Töpfers manifestiere sich die erfolgreiche Entwicklung des Umweltschutzes in den vergangenen zwei Jahrzehnten. Wie kaum ein anderer habe er sich auf Landes-, Bundes- oder internationaler Ebene unermüdlich und leidenschaftlich für die Belange des Umweltschutzes eingesetzt und sich große Verdienste erworben. Hierbei habe er sich von einem national anerkannten Umweltpolitiker zu einem überzeugenden Vertreter des Nachhaltigkeitsprinzips entwickelt, der mit der ihm eigenen Überzeugungskraft die Weltgemeinschaft zu aktivem Handeln zu bewegen suche.

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