06.09.2001 | Weltpremiere "mirow 21": Ökologische Wohlfühl-Jugendherberge dient auch als Modell für Schule der Zukunft

Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) fördert innovative Jugendherberge in Mecklenburg-Vorpommern mit 2,8 Millionen Mark

Jugendherberge
Nachhaltige Lebensweise auch bei Ausflügen: Die innovative Jugendherberge Mirow 21 im Herzen der Mecklenburgischen Seenplatte.
Download
Seminarraum
Luftige, helle Räume bestimmen den Wohlfühlcharakter der Jugendherberge Mirow 21 an der Mecklenburgischen Seenplatte.
Download
Mirow 21
Harmonisch fügt sich das geschwungene Gebäude in seine Umgebung ein.
Download
Gründach mit Energiezentrale
Das Gründach der Jugendherberge Mirow 21 mit der Energiezentrale: Photovoltaikflächen speisen das hauseigene Nahwärmenetz.
Download
Mirow. In Mirow (Mecklenburgische Seenplatte) entstand eine bislang einzigartige außerschulische Freizeit- und Bildungseinrichtung: Die "Ökologische Wohlfühl-Jugendherberge mirow 21". Heute wurde die 140-Betten-Anlage offiziell ihrer Bestimmung übergeben. Anwesend waren Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Prof. Dr. Wolfgang Methling und Fritz Brickwedde, der Generalsekretär der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU), Osnabrück, die das Projekt mit 2,8 Millionen Mark unterstützt.

Bereits im Namen komme zum Ausdruck, dass das Bedürfnis von Gästen und Jugendlichen nach Spaß, Genuss und Wohlfühlen in Übereinstimmung gebracht werden soll mit dem Anspruch einer nachhaltigen Lebensweise im Sinne der Agenda 21 (Konferenz von Rio de Janeiro 1992), so Brickwedde. Der Begriff stehe für das globale Ziel, durch lokales Handeln ökologische, ökonomische und sozial tragfähige Lebensmodelle zu entwickeln, die auch für zukünftige Generationen eine Perspektive bieten. "In ‚mirow 21' können Gäste, Schüler und Lehrer ein in Europa einzigartiges Modell für eine nachhaltige bzw. zukunftsfähige Lebensweise kennen lernen", erläuterte Angela Braasch-Eggert, die stellvertretende Vorsitzende des Deutschen Jugendherbergswerkes (DJH).

Das Modell basiere auf der Erkenntnis, dass verantwortliches Umwelt-Handeln eher erreicht werde, wenn Bildungsprozesse mit positiven emotionalen Erlebnissen wie Spaß und Genuss verbunden und in einem ökologisch und sozial glaubwürdigen und transparenten Lernumfeld durchgeführt würden. Mit seinen Seminar- und Gruppenräumen in Verbindung eines Konzeptes des "Nachhaltig Leben Lernens" dient "mirow 21" zugleich als Modell für Schule der Zukunft.

Brickwedde zeigte sich vom Konzept der "ökologischen Wohlfühl-Jugendherberge" beeindruckt: "Das Geld, das wir in dieses Projekt investiert haben, erweist sich als gut angelegt." Der DBU sei sehr daran gelegen, Menschen bereits in jungen Jahren auf die Notwendigkeit eines umweltgerechten Verhaltens aufmerksam zu machen. Gerade im Freizeitverhalten von Kindern und Jugendlichen müsse nachhaltiges Denken verankert werden. Denn auch hier gelte, früh einen lebenslang bewussten Umgang mit der Natur zu erlernen. "Umweltaspekte spielen im alltäglichen Leben junger Menschen noch eine untergeordnete Rolle, Beispiele wie das Modell ‚mirow 21' zeigen, dass es Spaß macht, auch die Freizeit umweltgerecht zu gestalten", sagte Brickwedde.

Entsprechend versuche das DJH Umwelt-Bildung durch die Einbindung aktueller Jugendkultur (z. B. Computer, Internet, Fitness) aufzuwerten und positiv zu besetzen. Dies werde verbunden mit dem Ansatz des selbstorganisierten Lernens in Kleingruppen zur Förderung von sozialer Kompetenz und Teamfähigkeit. Bereits durch die Architektur sei das Konzept anschaulich und erlebbar. Beim Bau und bei der Einrichtung sei auf ökologische Baustoffe geachtet worden; Heizenergie, Warmwasser und Strom würden regenerativ und aus einheimischen Ressourcen gewonnen (Sonne, Restholz, Rapsöl). Von der hauseigenen Energiezentrale würden verschiedene Gebäudeteile über ein computergesteuertes Nahwärmenetz mit Energie versorgt. DJH-Hauptgeschäftsführer Bernd Dohn: "Im Vergleich mit herkömmlichen Anlagen wird der Kohlendioxidausstoß um 75 Prozent verringert."

Gleichzeitig seien beim Bau neueste Forschungsergebnisse zur Wirkung von Architektur und Einrichtung auf das Wohlbefinden von Jugendlichen berücksichtigt worden. "Durch die harmonische Kombination von Licht, Farbe und Formen entstand eine offene, vielfältige und warme Wohlfühlatmosphäre, die selbst Jugendliche nicht ‚kalt' lässt und die das Bildungskonzept optimal unterstützt", so DJH-Umweltreferent Bernd Lampe. Zu diesem ganzheitlichen Konzept trage auch die Verpflegung bei: Die Küche verwende vornehmlich regionale und ökologisch erzeugte Produkte. Die Arbeit des Herbergsteams an einer hauseigenen Agenda 21 und die Entwicklung eines regionalen Netzwerkes sicherten den kontinuierlichen Qualitätsprozess im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung.

Bereits in der achtmonatigen Erprobungsphase sei "mirow 21" auch international auf große Resonanz gestoßen. Die regelmäßige Befragung der Gruppen zeige deutlich: Die Gäste sind vom Konzept begeistert. "Mit 20.000 bis 25.000 Übernachtungen pro Jahr bildet ‚mirow 21' eine wichtige Säule für den (Jugend-)Tourismus in Mecklenburg-Vorpommern und fügt sich auf ideale Weise in das sanfttouristische Konzept des Nationalparks Müritz ein", sagte Carsten Klehn, Vorsitzender des DJH-Landesverbandes Mecklenburg-Vorpommern. Für das DJH ist "mirow 21" zusammen mit weiteren 17 Umweltstudienplätzen bundesweit ein wichtiger Beitrag zum 2002 anstehenden "Jahr des Internationalen Ökotourismus".