Deutscher Umweltpreis 2004 - Prof. Dr. Garabed Antranikian | Stichwort: Weiße Biotechnologie

Pionierarbeiten auf dem Gebiet der „Weißen Biotechnologie“ mithilfe extremophiler Mikroorganismen

Garabed Antranikian Probeentnahme
Probeentnahme: Professor Antranikian bei Forschungen auf den Azoren.
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Wein, Brot, Joghurt, Bier sind Produkte, die seit Tausenden von Jahren mithilfe von Mikroorganismen – und damit biotechnologisch – hergestellt werden (Traditionelle Biotechnologie). Neben diesen Einsatzgebieten macht sich der Mensch die Funktion der Mikroorganismen und ihrer Biokatalysatoren zu eigen und lässt sie chemische Stoffumwandlungen auch für die Herstellung von Medikamenten (Rote Biotechnologie) oder zur Entgiftung belasteter Gewässer und Böden (Graue Biotechnologie) durchführen.

Ganz aktuell wird der Begriff der „Weißen Biotechnologie“ diskutiert, der laut European Federation of Biotechnology ein Symbol darstellt für die „saubere und nachhaltige Nutzung der Biotechnologie für industrierelevante Fragestellungen“.

Professor Garabed Antranikian hat durch seine Arbeiten einzigartige biologische Systeme in so genannten extremen Lebensräumen, wie heißen Quellen, schwefeligen Vulkanen, Salzseen oder arktischem Eis erschlossen und deren Leistungen für die chemische Industrie nutzbar gemacht.

Durch seine Forschung und Entwicklung auf dem Gebiet der Biokatalyse ist es gelungen, bestehende Herstellungsverfahren zu optimieren oder gänzlich neue biotechnologische Prozesse und Produkte zu entwickeln. Dabei wurden sowohl die Umwelt entlastet als auch die Produktivität von Herstellungsprozessen erhöht.

Zum Beispiel entwickelte er in Kooperation mit dem dänischen Unternehmen novozymes auf Basis von Stärke ein vereinfachtes neues Herstellverfahren für Cyclodextrin, einem Zuckerkomplex, der sowohl in Haushaltsmitteln als auch in Pharmaprodukten Verwendung findet: 70 % der Herstellkosten, 90 % der angefallenen Salzfrachten, 98 % des flüssigen,97 % des festen Abfalls sowie 80 % der Energiekosten des konventionellen Verfahrens wurden durch das biotechnologische Verfahren reduziert. Damit gehen Ökologie und Ökonomie Hand in Hand.

Weitere Potenziale der Weißen Biotechnologie liegen in den Gebieten der Konversion nachwachsender Rohstoffe, z. B. zu neuartigen Dämm- und Naturfaserstoffen oder zu Grundchemikalien wie Treibstoffen, sowie in den Gebieten der Feinchemikalien- und der Pharmawirkstoffproduktion. Auch Prozesse und Produkte der Textil-, Druck- und Kosmetikindustrie werden maßgeblich durch Innovationen der Weißen Biotechnologie beeinflusst werden.