Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) wurde 1991 durch Beschluss des Deutschen Bundestages mit dem Ziel gegründet, Vorhaben zum Schutz der Umwelt unter besonderer Berücksichtigung der mittelständischen Wirtschaft zu fördern. Die Förderung erfolgt in den Schwerpunktbereichen Umwelttechnik, Umweltforschung und Naturschutz sowie Umweltkommunikation und Kulturgüterschutz. Als gemeinnützige und privatrechtliche Stiftung ist die Deutsche Bundesstiftung Umwelt außerhalb der staatlichen Programme tätig, kann diese aber ergänzen. Sie zählt zu den weltweit größten Umweltstiftungen. Seit Aufnahme der Stiftungsarbeit hat die DBU insgesamt 7500 Projekte mit mehr als 1,3 Mrd. Euro Fördervolumen unterstützt.
Neben der Projektförderung unterhält die DBU zwei Stipendienprogramme: das Promotionsstipendienprogramm zur Förderung umweltbezogener Promotionsvorhaben in Deutschland und das MOE-Austauschstipendienprogramm, das Hochschulabsolventen der mittel-, ost- und südosteuropäischen Länder zur Realisierung eines Forschungsvorhabens mit Schwerpunkt in der Umweltforschung in Deutschland zur Verfügung steht. Bisher wurden insgesamt fast 1500 Stipendien vergeben, davon über 500 im Rahmen des MOE-Austauschstipendienprogramms.
Die internationale Projektförderung der Deutschen Bundesstiftung Umwelt
Auch wenn der Schwerpunkt der Förderung eindeutig in Deutschland liegt, hat sich die Deutsche Bundesstiftung Umwelt von Anfang an den internationalen Herausforderungen gestellt, denen seit den Anfängen der Stiftungsarbeit zunehmend Rechnung getragen wird.
Wurden ursprünglich außerhalb Deutschlands nur Projekte in grenznahen europäischen Nachbarregionen gefördert, bietet sich heute die Möglichkeit, in den meisten Ländern der Europäischen Union, aber auch Kandidaten und potentiellen Kandidatenländern ohne geographische Einschränkung zu fördern.
Hierbei wurde die anfängliche Ausrichtung auf die beiden östlichen Nachbarländer Polen und Tschechien im Laufe der Jahre schrittweise erweitert. Vor dem Hintergrund der EU-Erweiterungen in den Jahren 2004 und 2007 um neue Mitgliedsstaaten hat die DBU ihre Förderstrategie für Mittel- und Osteuropa einer Evaluierung unterzogen und in verschiedenen Punkten neu ausgerichtet. Diese Weiterentwicklung wird seit 2006 umgesetzt.
Der geographische Radius der Förderung in Mittel-, Ost- und Südosteuropa (MOE/SOE) wird somit weitgehend durch die EU-Mitgliedschaft von Ländern bestimmt: als Förderländer gelten Bulgarien, Estland, Lettland, Litauen, Polen, Rumänien, Slowakei, Slowenien, Tschechien und Ungarn; hinzu kommen der Oblast Kaliningrad sowie ebenfalls die potentiellen EU-Beitrittskandidaten auf dem Balkan. Auch zur Ukraine (Lemberg) bestehen Förderbeziehungen.
Die Bilanz zeigt, dass die internationalen Projekte der DBU zu mehr als 90% in diesem Raum angesiedelt sind.
Für ihr Engagement in Mittel-, Ost- und Südosteuropa kann die Deutsche Bundesstiftung Umwelt als deutsche Stiftung spezielle Erfahrungen aus der Wiedervereinigung des Landes nach 1990 einbringen. Die Fokussierung der Stiftungstätigkeit auf den Bereich der ehemaligen DDR in den frühen 90er Jahren trug wesentlich dazu bei, bestimmte – auch für den MOE/SOE-Bereich geltende – Zusammenhänge besser einzuschätzen.
Die DBU hat bisher rund 300 internationale Vorhaben mit einem Volumen von 42,8 Mio. Euro unterstützt und geht davon aus, dass diese Unterstützung in den kommenden Jahren weiter wachsen wird.
Unter inhaltlichen Gesichtspunkten stehen im internationalen Umfeld Projekte der Umweltbildung und ‑kommunikation eindeutig im Vordergrund: Rund 60% aller Projekte fallen in diesen Bereich. Die besondere Ausrichtung erklärt sich insbesondere dadurch, dass in vielen Ländern Mittel‑, Ost- und Südosteuropas zunächst die Vermittlung von Umweltbewusstsein und Umweltwissen sowie der Kompetenzaufbau bei Schlüsselinstitutionen eine zentrale Herausforderung darstellt und als Grundvoraussetzung für die Umsetzung weiterer Aktivitäten in der Umwelttechnik, im Naturschutz oder auf der Ebene des Gesetzgebers gesehen wird. Hervorzuheben ist hierbei das besondere Gewicht der Vereine, Verbände und Nichtregierungsorganisationen unter den Antragstellern.
Auch für internationale Projekte gilt der Anspruch an Innovation und Modellhaftigkeit, wobei die für Deutschland geforderten hohen Maßstäbe nicht ohne weiteres auf andere Länder übertragbar sind. Entsprechend ist die Anpassung des Innovationsbegriffs an die Möglichkeiten des jeweiligen Landes erforderlich; u. a. ist von Bedeutung, inwieweit das beabsichtigte Projekt innerhalb des Partnerlandes Pilotfunktion hat und insofern als »modellhaftes Demonstrationsprojekt« eine herausgehobene Rolle spielt.
Die internationale Projektförderung der Deutschen Bundesstiftung Umwelt setzt voraus, dass verlässliche Partner und Rahmenbedingungen eine vertrauensvolle Zusammenarbeit gewährleisten. Im Regelfall basiert die Unterstützung von Projekten im Ausland auf einer Kooperation zwischen dem ausländischen Partner und einem deutschen Partner, der die Rolle des Antragstellers gegenüber der Deutschen Bundesstiftung Umwelt übernimmt. Erwartet wird, dass der gewählte deutsche Partner nicht nur pro forma seine Rolle wahrnimmt, sondern inhaltlich in die Planung und Umsetzung der gemeinsamen Projekte eingebunden wird. Die deutschen Projektpartner, aber auch Ministerien, Verbände und wissenschaftliche Einrichtungen tragen dazu bei, dass die Projekte der Deutschen Bundesstiftung Umwelt auch im Ausland ihre Modellwirkung entfalten können und konkrete Anstöße zu einer Verbesserung der Umweltsituation gegeben werden. Daher ist der Deutschen Bundesstiftung Umwelt zum Projektabschluss gemeinsam mit den obligatorischen Abschlussberichten eine zusammenfassende Projektdarstellung in der jeweiligen Landessprache vorzulegen, um eine Verbreitung der Projektinformationen im jeweiligen Land sicherzustellen.
Die Projektkooperation mit weiteren Förderinstitutionen kann im internationalen Umfeld wesentlich zum Erfolg der Vorhaben beitragen. Positive Erfahrungen betreffen sowohl die Zusammenarbeit mit anderen Stiftungen als auch die Kooperation mit deutschen und europäischen Fachbehörden, etwa dem Bundesumweltministerium, dem Umweltbundesamt, der Gesellschaft für technische Zusammenarbeit oder der Europäischen Union. Auf Stiftungsebene pflegt die Deutsche Bundesstiftung Umwelt seit 1996 eine intensive Kooperation mit verschiedenen europäischen und außereuropäischen Stiftungen oder dem Bundesverband Deutscher Stiftungen.
Um ihre Förderstrategie für Mittel-, Ost- und Südosteuropa weiter zu verbessern, wird die DBU zukünftig regelmäßig begleitende Evaluationen zu ihrer Fördertätigkeit auf der Basis festgelegter Kriterien durchführen. Damit Ansprechpartner im Ausland noch gezielter erreicht werden können, wird die Öffentlichkeitsarbeit der Stiftung verstärkt englischsprachig ausgerichtet und eine eigene PR-Strategie für die internationale Kommunikation entwickelt.
Innerhalb der einzelnen Länder wird die DBU neben der »klassischen« Projektförderung zukünftig weiterhin spezielle Förderregionen identifizieren, die als »Inseln des Gelingens« besondere Unterstützung erfahren. Um bestimmte Themen und Schwerpunkte gezielt zu unterstützen, werden für Mittel-, Ost- und Südosteuropa im Pilotverfahren künftig vermehrt geografisch und zeitlich begrenzte Förderprogramme mit einem festen Budget ausgeschrieben und auf diese Weise für potentielle Partner entsprechende Anreize gesetzt. In der Förderung hat der ländliche bzw. strukturschwache Raum Priorität.
Auch für die internationalen Förderaktivitäten der Stiftung stellen die Leitlinien die grundlegende Basis dar, die für die Schwerpunktbereiche Umwelttechnik, Umweltforschung, Naturschutz und Umweltkommunikation den Förderrahmen abstecken und, unterteilt in neun Förderbereiche, einzelne Kriterien formulieren. Innerhalb der neun Förderbereiche haben für die internationale Förderung in MOE/SOE die folgenden Themen Vorrang:
Förderbereich 1: Projekte des produkt- und produktionsintegrierten Umweltschutzes (PIUS) mit Orientierung auf Energie- und Ressourceneffizienz.
Förderbereich 2: Projekte zur Reduzierung der Emission von Klimagasen und zur Verminderung des Verbrauchs fossiler Energien mit dem Schwerpunkt »Wissensvermittlung an relevante Entscheider in Unternehmen, Behörden und Verbänden«.
Förderbereich 3: Projekte zur Übertragung und Anwendung des Fachwissens von Planern im Bauwesen mit besonderer Ausrichtung auf die Fortentwicklung angepasster Methoden und Werkzeuge sowie deren Anwendung und Erprobung in beispielhaften Umsetzungsprojekten.
Förderbereich 4: Stipendienprogramm für Mittel- und Osteuropa, das jährlich 60 bis 80 jungen Hochschulabsolventen einen sechs- bis zwölfmonatigen Aufenthalt in einer Forschungseinrichtung; einer Behörde oder einem Unternehmen bietet.
Förderbereich 5: Projekte zur Entwicklung und Umsetzung nachhaltiger Produktionssysteme in der Land- und Forstwirtschaft.
Förderbereich 6: Projekte mit regionaler Fokussierung auf das Einzugsgebiet der Donau, wobei länderübergreifende Kooperationen erwünscht sind.
Förderbereich 7: Projekte zur Informationsvermittlung im Naturschutzbereich, die den Einsatz neuer (elektronischer) Informationssysteme, die Fort- und Weiterbildung ehrenamtlicher und wissenschaftlicher Nachwuchskräfte und/oder die Durchführung von Fachtagungen zu naturschutzbezogenen Fragestellungen im internationalen Kontext zum Gegenstand haben. Im Bereich »Umweltmanagementsysteme für KMU« sollen Unternehmensnetzwerke zu einzelnen Themenfeldern (z. B. energetische Gebäudesanierung oder nachhaltiges Bauen und Wohnen) geschaffen werden.
Förderbereich 8: Projekte zur Umweltbildung in Kooperation mit Nicht-Regierungsorganisationen in Mittel- und Osteuropa, um auf diese Weise deren wichtige Rolle für den Umweltschutz und seine Verbreitung zu unterstützen.
Förderbereich 9: Projekte im Bereich der Gartendenkmalpflege bzw. Anlagen, die sowohl für die deutsche als auch die europäische kulturelle Tradition von besonderer Bedeutung sind.
Für Anfragen und Anträge, die sich auf die internationale Förderung beziehen, stehen verschiedene Mitarbeiter der Deutschen Bundesstiftung Umwelt zur Verfügung.
Die Koordination der Anfragen und Erstinformationen zu Projekten erfolgen über den Arbeitsbereich »Internationale Kontakte«, zuständig ist Dr. Ulrich Witte. Weiterhin gibt es drei Sonderbeauftragte, die mit ihrem Wissen und ihren Erfahrungen für Mittel-, Ost- und Südosteuropa zur Verfügung stehen:
Informationen zu abgeschlossenen sowie laufenden Projekten in Deutschland und im internationalen Bereich können in der Projektdatenbank abgerufen werden.
Kontaktformulare
Das MOE-Austauschstipendienprogramm
Neben der klassischen Projektförderung ist die Deutsche Bundesstiftung Umwelt in Mittel-,Ost- und Südosteuropa durch ihr internationales Stipendienprogramm aktiv: Da hochqualifizierte und ebenso hochmotivierte Hochschulabsolventen und Nachwuchswissenschaftler als die zukünftigen Entscheidungsträger gesehen werden, kann Deutschland eine wichtige Rolle bei der Vermittlung des Wissens für die Gestaltung erforderlicher Umwelt- und Naturschutzmaßnahmen in den Heimatländern übernehmen. So werden jährlich zwischen 60 und 80 Stipendien an Hochschulabgänger in den MOE/SOE-Staaten mit dem Ziel der beruflichen Weiterqualifikation zur Lösung von Aufgaben im Umwelt- und Naturschutzbereich des Heimatlandes vergeben.
Die DBU geht davon aus, dass die Zielländer gerade im Bereich des produktionsintegrierten Umweltschutzes einen deutlichen Nachholbedarf haben und eine Orientierung an deutschen Umweltstandards und an der in Deutschland entwickelten Umwelttechnologie sinnvoll ist. Ein wichtiges Ziel des Austauschprogramms mit Mittel-, Ost- und Südosteuropa besteht außerdem darin, mit Hilfe der Jungwissenschaftler grenzüberschreitend Kontakte auf- und Barrieren abzubauen.
Nach einem erfolgreichen Start des Stipendienprogramms in Polen im Jahr 1997 wurde es ab 2001 in den drei baltischen Ländern und im Oblast Kaliningrad und ab 2003 auch in Tschechien etabliert. Im Jahr 2005 wurde es auf die Länder Ungarn, Rumänien und Bulgarien und im Jahr 2009 auf die Slowakei ausgeweitet. Seit 2009 werden auch Einzelbewerbungen aus Albanien, Bosnien und Herzegowina, Kroatien, Mazedonien, Montenegro, Serbien und Slowenien entgegengenommen. Bis zum jetzigen Zeitpunkt wurden über 500 Stipendiaten aus den genannten Ländern in Deutschland angenommen.
Die Stipendiaten kommen in der Regel für ein sechs- bis zwölfmonatiges Praktikum in deutsche Einrichtungen, wo sie sich für spätere berufliche Tätigkeiten im Umweltschutz weiterqualifizieren. Aufnehmende Institutionen sind Forschungszentren und Hochschulen, aber auch Wirtschaftsunternehmen, Ministerien, Ämter und Nichtregierungsorganisationen. Mögliche Praktikumsplätze für die Stipendiaten können im Internet nachgelesen werden.
Die Mehrheit der Bewerberinnen und Bewerber bilden Naturwissenschaftler und Ingenieure, die DBU begrüßt ausdrücklich aber auch Bewerbungen von Ökonomen, Juristen, Pädagogen und anderen Hochschulabsolventen, sofern sie einen wesentlichen Beitrag zum Umwelt- oder Naturschutz in ihrem Heimatland oder in der Europäischen Union leisten.
Die Unterstützung der DBU innerhalb des Stipendienprogramms ist nicht nur finanzieller Art. Alle ausländischen Stipendiaten werden nach ihrer Ankunft in Deutschland umfassend betreut und ideell gefördert. Außerdem möchte die DBU das internationale Stipendienprogramm der Stiftung generell noch stärker mit der allgemeinen Projektförderung in Mittel- und Osteuropa verflechten: In diesem Zusammenhang werden Stipendiaten bereits während der Zeit ihres Forschungsaufenthalts in Deutschland dazu angehalten, konkrete Projekte zu entwickeln und der DBU vorzulegen.
Des Weiteren sollen Stipendiaten und Altstipendiaten in ihren Heimatländern untereinander Netzwerke entwickeln und auf dieser Basis als Kontaktpersonen und Vermittler für die DBU und ihre Zielsetzungen aktiv werden. Ziel ist es, sukzessive ein Netzwerk aus Experten aufzubauen, mit Hilfe dessen nicht nur während der Praktikumsphase in Deutschland, sondern auch in Zukunft ein intensiver Austausch untereinander und mit der DBU erfolgen kann, um damit den Wissenstransfer und den Ausbau von Kontakten zu deutschen Partnern zu stärken. Die internationale Verzahnung erfolgt z.B. in Deutschland durch die Teilnahme der Stipendiaten an der Internationalen Sommerakademie und an gemeinsamen Seminaren, an der jährlichen Verleihung des Deutschen Umweltpreises und in den Heimatländern durch verschiedene Alumni-Organisationen. So gibt es seit 2001 den Verein ehemaliger polnischer Stipendiaten, seit 2008 ein ungarisches Alumni-Netzwerk und seit 2009 ein rumänisches und ein bulgarisches Alumni-Netzwerk; weitere Alumni-Vereinigungen, z.B. in Tschechien und Litauen, befinden sich im Aufbau. In fast allen MOE/SOE-Ländern findet zudem einmal jährlich ein Treffen der ehemaligen DBU-Stipendiaten statt.
Ausführliche Informationen zum Stipendienprogramm finden sich im Internet unter http://www.dbu.de/stipendien_international. Erste Ansprechpartner sind die jeweiligen Landeskoordinatoren (Kontaktdaten über die spezifischen Länderinformationen abrufbar).
Anfragen können aber auch an die Referenten des MOE-Austauschstipendienprogramms, Dr. Nicole Freyer und Dr. Hans-Christian Schäfer, gerichtet werden.