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Deutscher Umweltpreis 2009 - Prof. Dr. Bo Barker Jørgensen | Stichwort: Mikrobielle Stoffwechselprozesse

Bahnbrechende Forschung auf dem Gebiet mikrobieller Stoffwechselprozesse im Meeressediment und bodennahen Wasserschichten stehen für die Leistungen Prof. Dr. Bo Barker Jørgensens. Die Entwicklung geeigneter Messsysteme zur Charakterisierung mikrobieller Lebensgemeinschaften ermöglicht die Aufklärung dieser komplexen Prozesse. Erst so wuchs das Verständnis um die bedeutende Rolle der Weltmeere für das globale Klimageschehen.
Bo Barker Jørgensen
DBU-Umweltpreisträger 2009: Prof. Dr. Bo Barker Jørgensen.

Bo Barker Jørgensen

Bo Barker Jørgensen wurde 1946 in Kopenhagen geboren. 1977 schloss er sein Biologie-Studium mit der Promotion in Aarhus ab und begann dort seine wissenschaftliche Laufbahn als Assistenzprofessor und später als Professor der Fakultät für Ökologie und Genetik.
Seinen Forschungstätigkeiten ab 1984 am NASA Ames Research Center in den USA sowie der Forschungsprofessur des Danish Natural Science Research Council ab 1987 folgte 1992 die Berufung ins neu gegründete Max-Planck-Institut für Marine Mikrobiologie (MPI) Bremen.
Dort ist Jørgensen als Direktor der Abteilung Biogeochemie und Leiter der biogeochemischen Arbeitsgruppe bis heute tätig. Außerhalb seiner Forschungsarbeit am MPI Bremen nimmt er Lehraufträge an den Universitäten Bremen und Aarhus in den Fakultäten Geologie und Biologie wahr. 2007 gründete Jørgensen das Zentrum für Geomikrobiologie an der Universität Aarhus.
Neben mehr als 250 Publikationen kann Jørgensen auf seine Tätigkeiten in internationalen wissenschaftlichen Beiräten wie der Danish Royal Academy of Science and Letters und Ehrungen wie dem ECI Prize 2004 des International Ecology Institute verweisen.
www.mpi-bremen.de/ Bo_Barker_Joergensen.html

»Das meiste Leben auf dem blauen Planeten spielt sich unter der Wasseroberfläche und damit unter völlig anderen Bedingungen ab, als wir das gewohnt sind.«

Bereits als Biologiestudent war Jørgensen davon überzeugt, dass Leben auch an den unwirtlichsten Orten des Planeten vorkommen müsse. 1977 vertrat er seine Theorien anlässlich der Verteidigung seiner Doktorarbeit erstmals öffentlich. 2002 konnte Jørgensen mit einer Expedition handfeste Beweise vorlegen: lebende Mikroorganismen in Bohrkernen aus bis zu 400 Metern Tiefe.

Gründungsdirektor am MPI Bremen
Die Frage nach dem Vorkommen und den Lebensbedingungen von Mikroorganismen im Meeresboden begleitete Jørgensen durch seine gesamte wissenschaftliche Laufbahn: vom Dozent und anschließender Professur für Ökologie bis zu seinen Forschungstätigkeiten in den USA und Dänemark. 1992 folgte Jørgensen der Berufung an das Max-Planck-Institut für Marine Mikrobiologie. Als Direktor der Abteilung Biogeochemie gelang es Jørgensen, die Bedeutung und Vielfältigkeit von Mikroorganismen in Meeressediment und bodennahen Wasserschichten zu erforschen. Diese Bakterien sind in den marinen Lebensräumen als Nitrat speichernde Schwefelbakterien oder Sulfatreduzierer für beachtliche Stoffumwandlungsprozesse verantwortlich.

Globale Zusammenhänge erforscht
Von besonderer Bedeutung sind Jørgensens Arbeiten zur Erforschung der anaeroben, d. h. unter Sauerstoffausschluss ablaufenden, Methanoxidation. Das Treibhausgas Methan erlangte in den letzten Jahren in der Klimadiskussion große Aufmerksamkeit. Methan lagert als Methanhydrat in enormen Mengen im Meer und gelangt ohne menschliches Zutun nur in sehr geringen Mengen aus dem Meer in die Atmosphäre, wo es dann seine schädliche Wirkung auf das Erdklima entfalten kann. Jørgensen und sein Team fanden heraus, dass dieser Zustand Mikroorganismen zu verdanken ist, die Methan im Meeresboden mithilfe von Sulfat in weniger schädliches Kohlendioxid abbauen. Über 90 Prozent der Methanmengen werden so im Meer umgewandelt.

Aus den Tiefen ins Klimamodell
Grundlage für die Erforschung mikrobieller Stoffwechselprozesse im Meeresboden sind die von Jørgensen entwickelten Vorgehensweisen zur in-situ Probenahme, die die Arbeit in den Tiefen der Meere erst ermöglichen. Auf Basis von Jørgensens Arbeiten kann die große Rolle der Weltmeere für das globale Klima geschehen aufgeklärt werden und der Beitrag der mikrobiellen Stoffumwandlungsprozesse in die Erstellung von Klimamodellen eingehen. Die Kenntnis des »natürlichen Schutzschildes der Meere« zur Vermeidung massenhafter Methanemissionen stellt eine bedeutende Erkenntnis in der Klimadiskussion dar.

Über die Forschung hinaus
Jørgensen – an der Schnittstelle von Mikrobiologie, Geologie und Chemie – steht für gelebte Transdisziplinarität und zählt zu einem der weltweit meist zitierten Wissenschaftler. Dieses spiegelt sich in seinen Publikationen, seinem Mitwirken in vielen wissenschaftlichen Organisationen und internationalen Auszeichnungen wider. Das kürzlich von Jørgensen initiierte Zentrum für Geomikrobiologie an der Universität Aarhus richtet seine Arbeit konzentriert auf die Erforschung der »tiefen Biosphäre« – Jørgensens Forschungsschwerpunkt.  

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