DBU stachelt zum Bienenschutz an: "Killer-Milbe" den Kampf angesagt
Mit Opalith-Plättchen werden für einen Versuch bis zu 2.000 Arbeitsbienen individuell gekennzeichnet: Dadurch ist im Rahmen der Infrarot-Videoaufnahmen eine
Zuordnung von beobachteten Resistenzmerkmalen zu einzelnen Bienen möglich.
Infrarotes Licht können Bienen nicht wahrnehmen. So kann man sie durch die
Technik ungestört in der natürlichen Dunkelheit des Bienenstocks beobachten.
Infrarot Videoaufnahme, bei der ein
Resistenzmerkmal zu sehen ist. Eine Biene hat eine Milbe zwischen ihren
Mundwerkzeugen (Mandibeln). Dies führt meist zur Verletzung und dem Tod der
Milbe.
Chemische Keule immer wirkungsloser
Das Problem: die blutsaugende Milbe überträgt Bakterien und Viren, die Bienen töten, sofern sie nicht regelmäßig mit Schädlingsbekämpfungsmitteln behandelt werden. Gegen die chemische Keule jedoch spricht einiges: sie wird immer wirkungsloser, weil sich die Milben an sie gewöhnt haben, sie belastet die Umwelt und sie kann sogar Rückstände in Bienenprodukten hinterlassen.
Vorhandene Abwehrkräfte ermitteln
Das Kooperationsprojekt will neue, umweltfreundliche Wege gehen. Die Forscher untersuchen Bienen darauf, ob sie an die Varroa-Milbe angepasst sind und einen Befall gut überstehen. "Eine gezielte Züchtung auf Varroa-Resistenz ist schwierig, weil sie durch viele Gene bestimmt wird und erst nach Jahren feststeht, ob Bienen trotz Befalls überlebt haben", erklärt Dr. Martin Beye, Leiter der Gruppe Bienengenetik der Universität Halle. Deshalb wollen Beye und sein Team ein Diagnosesystem entwickeln, das Auskunft über vorhandene Abwehrkräfte liefert.
Natürliche "Widerstandsgene" gegen die Milbe identifizieren
Und so funktioniert es: Gibt ein Imker eine Bienenprobe ab, kann ihr Genprofil mit Hilfe eines so genannten Genchips sichtbar gemacht werden - die natürlichen "Widerstandsgene" gegen die Milbe lassen sich identifizieren. "Wir gestalten das Verfahren so, dass jeder Imker Proben entnehmen und zur Analyse geben kann", sagt Beye. "Diese Methode ermöglicht in kurzer Zeit den Vergleich vieler Proben."
Gezielte Zuchtempfehlungen für Imker
Mit Hilfe des neuen Verfahrens sollen die widerstandsfähigeren Bienenvölker schnell ausgemacht und gezielte Zuchtempfehlungen für Imker erarbeitet werden. Die Versuche und Kreuzungen übernimmt das Länderinstitut für Bienenkunde, während die molekulargenetische Analyse der Proben und die Auswertung in Halle erfolgt. "Die Zucht varroatoleranter Bienen gehört zu den wichtigsten Zielen der Bienenforschung", so Prof. Kaspar Bienefeld, Leiter des Länderinstituts für Bienenkunde. "Wenn es gelingt, ein praxistaugliches Routineverfahren für die Zucht anbieten zu können, kommen wir diesem Ziel einen großen Schritt näher."
Ansprechpartner für weitere Informationen: Martin Beye, Martin-Luther-Universität Halle, Tel. 0345/ 5521627, beye@zoologie.uni-halle.de, und Kaspar Bienefeld, Länderinstitut für Bienenkunde, Tel. 03303/293837, kaspar.bienefeld@rz.hu-berlin.de


